Montag, 1. Mai 2017

Beikost: Milch-Getreide-Brei, Abendbrot & Frühstück

Meine Erfahrungen mit dem für uns dritten Brei (für viele andere Babys der zweite) fehlte bislang noch in der Beikost-Serie: Der Milch-Getreide-Brei. Schon eine Überschrift für den Artikel fällt mir schwer. Abendbrei? Abendbrot? Nichts trifft es so richtig. Denn diesmal sind wir richtig von den Leitlinien der DGE und Ratgebern abgewichen.

Es wird empfohlen, den Abendbrei als zweite Mahlzeit nach dem Mittagsbrei mit 20 g Getreide und 200 ml Milch/Wasser anzubieten.



Da der Obst-Getreide-Brei bei uns erst am späten Nachmittag verlangt wird, macht es aber keinen Sinn, müde, relativ satte Babys noch mit der vollen Portion Milch-Getreide-Brei zu quälen. Außerdem wird bei uns in Hinblick auf den Familientisch morgens Müsli und abends Brot oder etwas  anderes Deftiges gegessen. Da passt der Brei nur mäßig, im Gegensatz zum Frühstück - da gibt es nämlich Müsli.
Somit habe ich mal wieder eine Bauchentscheidung getroffen, mit der bislang alle Beteiligten zufrieden sind. Und interessanterweise habe ich davon auf Instagram berichtet und daraufhin von sehr vielen Mamas bestätigt bekommen, dass sie das ähnlich handhaben bzw. der dritte Brei anfangs zeitlich einfach schwer in den Tag zu integrieren ist.
Hier könnt ihr nun detailliert lesen, wie wir es mittlerweile handhaben und vielleicht ja die ein oder andere Anregung finden.


Abendessen

Zu Abend wird bei uns gegen 18.30/ 19 Uhr gegessen, je nach Stimmung vor oder nach dem Schlafanzuganziehen. Der Papa übernimmt hier meistens die Anreicher-Rolle.
Es gibt ganz nach italienischer Manier einen ersten und einen zweiten Gang.
Der erste Gang ist Fingerfood bzw. mundgerechte Happen. Immer dabei sind ein paar Kohlenhydrate: Brotkante, salzkrustenbefreite Laugenbrezel, Hirsekringel oder Reiswaffel für die Faust, alternativ Graubrotstückchen mit Schmierkäse, Nuss- oder Obstmus. Außerdem ein paar gegarte Gemüsestückchen (Möhre, Kohlrabi, Süßkartoffel...), Gurke oder Avocado, die mit dem Kiefer zermahlen werden. Gelegentlich noch etwas Rührei.
Ein paar Obststückchen sind auch dabei. Allerdings soll es hauptsächlich deftig sein. 
Am Alleineessen sind meine Babys aktuell noch nicht sonderlich interessiert. Die mögen es angereicht bekommen. Am liebsten bis direkt in den Mund. Das kenne ich auch ganz anders! Natürlich haben wir ganz klein angefangen, mit einem Hirsekringel und einem Gemüse-Streifen, als sie acht Monate alt waren und noch keinen Zahn hatten. Nun (10 Monate) ist die Mundmotorik schon viel ausgereifter, es gibt einen ganzen Teller voll.
Der zweite Gang ist eine Portion Milch-Getreide-Brei, die sie sich allerdings teilen. Also eigentlich nur eine halbe Portion für jeden.
Mein Grundrezept hierfür ist wie folgt, die Menge variiert nach Verfassung und Müdigkeits-Level:

100-140 ml frische, auf ca. 40 °C erwärmte Vollmilch
20 ml Saft/ Obstmark
40-50 ml Wasser
3-5 EL Instant-Getreide (Dinkel, Hafer, Hirse, Reis)

Abends gibt es bei uns momentan Dinkel-Instantflocken. Am Anfang habe ich normale Flocken verwendet und die Milch brav aufgekocht. Das ist aber andauernd angebrannt und ich habe meine spärliche Freizeit am Abend mit der Topfreinigung verbracht. Deshalb nun die zeitsparende Instant-Variante. Den Flocken ist, weil es in der EU vorgeschrieben ist, Vitamin B12 zugesetzt. Hier könnt ihr nochmal diverse Vor- und Nachteile der verschiedenen Getreidesorten nachlesen (Grafik). 
Ich verwende an Säften auch gerne einen Gemüsesaft oder grünen Smoothie, damit die Abendmahlzeit den deftigen Charakter beibehält und sich von den übrigen unterscheidet. Ansonsten gibt es aber auch Apfelmark oder Orangensaft. Denn oft haben Gemüsesäfte Zusätze, die Babys eigentlich nicht brauchen: Schwefel, Salz, Honig... Falls jemand gute, Baby-taugliche Säfte kennt – der darf es mir gerne verraten!?
Die Mischung aus 200 ml Flüssigkeit und 20 g Getreide, so wie empfohlen, ist uns zu flüssig. Es wird aber dabei noch gut Wasser getrunken und die Verdauung ist in Ordnung. Theoretisch könnte man es einfach in der Flasche mit einem Breisauger anbieten, allerdings möchte ich die Flasche gar nicht mehr zwingend zum Einsatz kommen lassen.

Abendbrot mit 9,5 Monaten: Bananenbrot für die Faust, Blaubeerhälften und gegarte Möhren


Die Milch

Ich bin grundsätzlich aus dem Lager „pro Kuhmilch“, achte aber darauf, sie nur in Maßen zu geben. Ein ideal auf ein Baby abgestimmtes Lebensmittel ist sie nun mal nicht. 200 ml täglich sind im ersten Lebensjahr genug. Ansonsten schadet die große Eiweiß- und Kalzium-Menge den Nieren.
Mir ist es wichtig, dass sich das Verdauungssystem meiner Kinder an Kuhmilch gewöhnt und das Enzym, welches die Lactose spaltet, nicht arbeitslos wird. Milch steckt einfach in so vielen (leckeren) Speisen und eine Milchzucker-Unverträglichkeit ist wirklich schade. Eis, Schokolade, Nachspeisen, Saucen...das sollen sie später auch genießen können, wenn sie denn wollen. Die vorsichtige Gewöhnung, gerade noch während der Stillzeit, scheint mir eine gute Präventionsmaßnahme. Übrigens sind Babys grundsätzlich nicht von Anfang an Lactose-intolerant, wie einige Mütter, Hebammen und sogar Kinderärzte behaupten. Muttermilch und die meiste Säuglingsmilch enthält gigantische Mengen an Lactose. Dafür vertragen aber einige Menschen kein Kuhmilch-Eiweiß. 
Aus dem Bauch heraus gebe ich die 1,5% Fett-haltige Milch. Das wird eigentlich anders empfohlen (3,5% Fett). Ich halte sie aber leichter verdaulich und fürs Wachstum vollkommen ausreichend. Fett, in besserer Form, steckt noch in genügend anderen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln.

Fertig-Abendbrei, der nur mit Wasser angerührt wird, empfehle ich vor dem Kauf genau unter die Lupe zu nehmen: Oft finden sich Sattmacher, die schlecht fürs Wachstum sind und unnötige Zuckerverbindungen in den Mischungen sowie Folgemilch statt Prä- oder Kuhmilch.

Abendbrot mit 9 Monaten: Graubrot mit Frischkäse, Rührei und Erdbeerstückchen


Frühstück

Die andere Hälfte vom Milch-Getreide-Brei gibt es bei uns nach dem Aufwachen, als Frühstück. Wir essen quasi zu dritt unser Müsli und starten so in den Tag. Für die Babys gibt es Hafer-Instantbrei mit Milch und Fruchtsaft/-Mark/-Smoothie UND (ganz wichtig, weil sonst mittlerweile bei jedem Löffel gemeckert wird) viele, viele Fruchtstückchen. Das machen wir seitdem sie neun Monate alt sind.
Wenn ich mein Müsli auf der Krabbeldecke gegessen habe, wurde alles stehen und liegen gelassen, um mir Löffel für Löffel wegzustarren. Das wurde auf Dauer anstrengend fürs Mamaherz. Außerdem wurde so das Mittagessen von einer Altenpflegeheim-typischen Zeit auf eine für mich verträgliche verschoben. So essen wir die Mahlzeit nun auch gemeinsam.
Ich schneide einfach ein Teil meines eigenen Obstes etwas kleiner. Eigentlich gibt es alles roh, außer Äpfel und Birnen. Die dampfgare ich vorher einmal kurz. In einer Vorratsbox halten sich die gegarten Spalten 3-4 Tage im Kühlschrank.
Nach dem Frühstück und Anziehen darf sich dann noch mit Milch sattgetrunken werden, mittlerweile die einzige Stillmahlzeit des Tages.

Meine Lieben, ihr habt nun meine Erfahrungen zum Milch-Getreide-Brei und zum Abendbrot/ Frühstück von Babys im Beikostalter gelesen. Sie weichen von den Empfehlungen aus Ratgebern und Co. ab, das mag ich noch einmal betonen. Für uns war es so einfach der richtige Weg. Jeder so, wie er mag... ich kann nach meinem jetzigen Erfahrungsstand wirklich jedem empfehlen, sich zwar mit Leitlinien, Ratgebern (und manchmal auch Ratschlägen ;-)) auseinanderzusetzen, aber letztendlich sollte das eigene Bauchgefühl die Richtung vorgeben. 
Es mag Babys geben, die mit den ganzen Stückchen nicht viel anfangen können oder sich ständig daran verschlucken. Oder welche, die lieber alles selbst in die Hand nehmen möchten. Oder welche, die abends gerne große Mengen von Brei verspeisen. Oder eine Stulle. Oder nur Milch. Oder...?!
Sollten noch Fragen oder Anregungen bestehen, freue ich mich wie immer über einen Kommentar. Vielleicht mögt ihr ja auch berichten wie es bei euch war/ ist!


Ps.: Möchtest du mehr über meine Beikost-Erfahrungen lesen?
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hier zu Frühlings-haften Mittagsbrei-Rezepten.

Kommentare:

  1. Ich finde deine Beikosterfahrung super interessant und habe auch einiges schon übernommen - mich interessiert noch, hast du die genannten Fingerfood auch schon angeboten, als die beiden noch keine Zähne hatten? oder ab wann hast du damit gestartet?

    Liebe Grüße

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    1. Huhu, vielen Dank für dein Feedback! Das freut mich! Bei uns gab es schon einiges an Fingerfood (weich gegart), das sie mit dem Kiefer zermahlen haben oder halt nur abgelutscht haben. Damit haben wir auch eigentlich direkt mit einem halben Jahr gestartet! Würde ich auch wieder so machen! Liebe Grüße

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