Freitag, 27. Januar 2017

Beikost: Der Mittagsbrei

Da es momentan ein brandaktuelles Thema ist, was bei vielen von uns (inklusive mir!) das ein oder andere Fragezeichen aufwirft, dachte ich, dass ich mal unseren aktuellen Stand verblogge und noch einmal auf die ganzen Fragen eingehe, die mir neulich zum Mittagsbrei gestellt wurden.



Wie ich ja bereits hier schrieb, führte ich die Beikost ziemlich entspannt vor gut eineinhalb Monaten ein, als meine Kinder fünfeinhalb Monate alt waren (korrigiert vier). Nicht wie nach DGE-Leitlinie empfohlen mit dem Mittagsbrei, sondern mit einer Hirse-Obst-Mischung am Nachmittag. Nach wenigen Tagen und ohne Wegfall einer Stillmahlzeit gab es allerdings schon zusätzlich ein paar Löffel Gemüse am Mittag.
Die Früchtchen entwickelten sich schnell zu leidenschaftlichen Vielfraßen, sodass bei voller Portion Hirse-Obst das Stillen am Nachmittag schnell wegfiel und ich nun mit dem Breikochen kaum noch hinterherkomme. Obwohl es ein hoher Zeitaufwand ist, möchte ich den Mittagsbrei nach wie vor selbst zubereiten.


Pro selbst Breikochen

Für mich würde es deutlich Zeit sparen, auf Gläschen zurückzugreifen. Und mehr Platz in der Tiefkühltruhe für Soul Food. Ja, die Mama hier musste zu Gunsten ihrer Vielfraße ihre Eissucht pausieren. Und für Fertiggläschen spräche auch (darauf hat mich übrigens eine Leserin aufmerksam gemacht!), dass wohl keine Rohstoffe so gut kontrolliert werden, wie die, die zur Herstellung von Babynahrung eingesetzt werden. Was mir aber wirklich widerstrebt – das muss aber jeder für sich selbst wissen – sind die versteckten Zusätze in den Gläschen. Was zum Beispiel hat Maismehl im Fleisch zu suchen? Oder Reis in Hirseflocken oder gezuckertes Fruchtsaftkonzentrat im Obst? Natürlich ist das alles kein Weltuntergang und vor allem, wenn man um diese Tatsache weiß, könnte man den Speiseplan dahingehend anpassen. Aber meinem Kontrollwahn und Nahrungsidealismus widerstrebt es. Deshalb wird hier selbst gekocht und auf pure Grundzutaten zurückgegriffen.
Ob es wirklich so viel kostengünstiger ist, was oft als Vorteil angegeben wird, kann ich aktuell schlecht überblicken. Es hängt wohl stark davon ab, welche Zutaten man verwendet und zu welcher Jahreszeit man gerade einkauft.


Die richtige Menge

Ich orientiere mich nicht wirklich an Rezepten (darauf gehe ich weiter unten noch genauer ein), sondern an folgendem Schema:


Aktuell biete ich also pro Kind mittags ungefähr 160 g Brei an, an 2-3 Tagen in der Woche gibt es noch 20 g Fleisch. Ganz selten bleibt ein kleinen Rest übrig, den ich, falls fleischlos, in meinem Mittagessen verarbeite (Kürbis-Spaghetti an Bolognese oder Pizza mit Möhrensauce ;-)). Als wir noch bei 130 g waren, haben sich die Früchtchen irgendwann beschwert. Da ich aber noch Portionen in der Menge eingefroren hatte, habe ich dann etwas Obstmus als Nachtisch angeboten oder eine Avocado püriert und unter den Brei gemengt. Flexibilität bedeutet hier nicht selten eine große Portion Kreativität.
Vor dem Mittagsschlaf, maximal eine Stunde nach dem Essen, wird immer noch gestillt. Wenn wir das nicht mehr machen bzw. die Babys wieder nach mehr verlangen, würde ich die Menge, dann auch den Kohlenhydratanteil, steigern.


Täglich Fleisch gibt es bei mir nie. Deshalb werden auch die Früchtchen erst gar nicht daran gewöhnt. Fisch werden wir demnächst einführen.


In der Breischüssel

Ich bin ganz klarer Gegner des „Möhre-Kartoffel-Huhn-jeden Tag“ Prinzips. Eine gesunde Ernährung beruht auf Ausgewogenheit. Wem die Vielfalt von klein auf vorgelebt wird und wer viele Geschmacksrichtungen und Konsistenzen kennenlernt,  dem wird später eine gesunde, ausgewogene Ernährung leichter fallen.
Gestartet haben wir mit Pastinake, dann Kürbis, dann Zucchini pur - immer für einige Tage. Weiter ging es mit Karotte-Hafer. Dann kam schon die Süßkartoffel ins Spiel. Und schwupps, hatten wir diverse Kombinationsmöglichkeiten. Bislang gab es noch keinen Brei, der nicht gemocht wurde. Am gierigsten wird alles verschlungen, wo Pastinake oder Karotte drin ist. Kürbis gegenüber waren sie bislang am skeptischsten. Ich versuche ein bis zwei neue Gemüsesorten pro Woche einzuführen und auch mindestens zwei Breisorten pro Woche anzubieten. Wenn ich nicht weiß, wie es vertragen wird, wird es mit etwas Bekanntem kombiniert. Da ich weiß, dass viele von euch genau wie ich ständig auf der Suche nach Ideen sind, hier noch einmal meine bisherigen Kombinationen (ich werde es hoffentlich nicht vergessen, immer wieder zu ergänzen):

Kürbis-Süßkartoffel
Spinat-Süßkartoffel
Pastinake-Zucchini-Süßkartoffel
Zucchini-Fenchel-Süßkartoffel
Zucchini-Süßkartoffel mit Rind
Karotte-Fenchel-Kartoffel
Karotte-Fenchel-Reis (mit Lachs)
Karotte-Fenchel-Apfel-Hirse
Karotte-Avocado-Kartoffel
Karotte-Broccoli-Kartoffel
Karotte-Tomate-Reis
Karotte-Zucchini-Hirse
Kohlrabi-Tomate-Kartoffel
Pastinake-Kohlrabi-Süßkartoffel
Pastinake-Kohlrabi-Petersilie/Rosmarin-Kartoffel
Pastinake-Kohlrabi-Rote Beete-Kartoffel
Pastinake-Spinat-Kartoffel
Erbse-Kartoffel
Erbse-Avocado-Reis
Aubergine-Kartoffel


Als nächstes wird noch der Fleisch- und Fisch-Sektor (welche Sorten nehmt ihr? TK oder frisch?) erweitert. Außerdem will ich andere Kohlenhydrate wie Reis, Hirse, Maisgrieß als Alternative zur Knolle einführen. Und frische Kräuter, wie zum Beispiel Rosmarin oder Salbei.
In jede Portion Brei kommt ein Schuss naturtrüber Apfel-Direktsaft für bessere Konsistenz und gesteigerte Eisenaufnahme und ein Schuss Bio-Raps-Öl für Omega-3-Fettsäuren und Verdauung. Übrigens habe ich mich auf Grund des überteuerten Preises gegen extra Baby-Beikost-Öl entschieden. Ob das nun die allerbeste Pressung ist?! Keine Ahnung. Aber die Kinder wachsen bislang ganz gut. ;-)


Zubereitung

Mit Baby, vor allem mit zwei Babys, muss es schnell gehen. Zeit für irgendetwas ist immer zu knapp. Und dann muss ja auch noch die doppelte Menge zubereitet werden. Also wird alles so einfach wie möglich gehalten.
Beim wöchentlichen Großeinkauf schaue ich, was es gerade frisch aus vertretbarem Anbau im Angebot gibt und schlendere durch die Bioableitung. Einsatz der Kontrollwaage verhindert, dass es dann zu Hause überraschenderweise doch nicht für 14 Mahlzeiten reicht. Letzte Woche bin ich im Supermarkt auf diverse Sorten Bio-Tiefkühlgemüse (Erbsen, Brokkoli...) aus Deutschland zu relativ guten Preisen gestoßen. Weniger zu schnippeln für mich und mehr Auswahl im Winter! Es ist für mich ein guter Kompromiss zwischen Fertigbrei und Selbstkochen. Ein paar Nährstoffe bleiben auf der Strecke, aber wir frieren ja sowieso einen Teil ein.
Ich schmeiße alles in unseren Dampfgarer**, püriere anschließend in mehreren Gängen die fertigen Mischungen. 2-3 Mahlzeiten bleiben im Kühlschrank, der Rest wird eingefroren. Wir benutzen dafür die Avent-Becher**. Netterweise wurde mir ein Satz ausgeliehen. Mit zwanzig Stück sind wir bei Zwillingen nicht weit gekommen.
Fleisch, in unserem Fall bislang nur Hähnchen-Brust, habe ich bei einem Hofladen gekauft und im Anschluss an eine Gemüse-Session als Ganzes in den Dampfgarer geschmissen und anschließend mit etwas Wasser püriert. Ich habe passende Portionen in Eiswürfel-Behälter und in diesen Brei-Behälter** abgewogen, sodass sie an Fleischtagen unter die Gemüse-Kartoffel-Mischung gemengt werden können.
Wenn ich es nicht vergesse, wandern am Vorabend die jeweiligen Becher vom Gefrier- in den Kühlschrank. Wir erwärmen (auch da gibt es von einigen Seiten Vorbehalte!) in der Mikrowelle. 
Mit einer All-In-Küchenmaschine wäre es nun wahrscheinlich deutlich bequemer. Aber es geht auch so.


Zwillinge füttern

Zwei Hände gegen vier Hände, vier Füße und zwei Münder. So sieht es hier tagtäglich aus.
Obwohl beide Babys wirklich gerne und mit viel Eifer essen, kostete mich der Beikoststart Nerven und treibt mich auch nach einem Monat Training immer noch regelmäßig in den Wahnsinn.
Nacheinander Füttern habe ich mal versucht. Das ist so gar nicht unsers. Einem Kind euphorisch und besonnen die Karotten reinlöffeln, während sich das andere Kind auf der Krabbeldecke in Rage schreit. Zu stressig. Oder noch schlimmer, im Hochstuhl vorwurfsvoll beäugt, wie Brei in den Mund des Geschwisters wandert. Zu fies. Da bei uns auch tagsüber synchron geschlafen und gestillt wird, war es also naheliegend, dass es auch den Brei nach dem „ein Löffel für A, ein Löffel für B“-Prinzip gibt.
Ich bin aber grundsätzlich immer zu langsam. Es wird lautstark protestiert oder der Daumen abgeschleckt und die Breihand im ganzen Gesicht verschmiert.
Meine Strategie bislang: Beide Kinder sitzen im Hochstuhl (Newborn-Aufsatz) vor mir. Wir binden ein saugfähiges kleines Lätzchen eng um den Hals, darüber kommen Schildkröten- undRhinozeros-Panzer**.  Das Lutsch-Kind wird zusätzlich in ein Küchenhandtuch gepuckt und links plaziert, wo die Breischüssel in meiner Hand zusätzlich die Ärmchen beschweren. Mit der rechten Hand gibt es abwechselnd Löffel um Löffel. Es mag für Außenstehende etwas brutal klingen...die können gerne vorbeikommen und mal eine Runde übernehmen ;-) Ich denke, ein Kind zu füttern kann schon nervenaufreibend genug sein. Zwei sind eine Nummer für sich.
Wenn mich jemand unterstützt und ein Kind übernimmt, hilft es auch leider nur bedingt. Sobald es nämlich wieder nur unsere Dreier-Runde ist, ist das Chaos umso größer. 
Die Equipement-Liste aus dem letzten Brei-Post muss ich noch um Taschentuch-Boxen in großen Mengen, Waschlappen, Wechselklamotten für die Eltern und einen Handstaubsauger ergänzen.


Trinken

Laut Ratgebern braucht das Getränk nicht vor drei Breimahlzeiten eingeführt werden. Mein Bauchgefühl ließ mich aber schon nach einer Woche Beikost diese Trinklernbecher** ordern. Seitdem biete ich vor und nach jeder Mahlzeit etwas Wasser an. Manchmal wird die Flasche weggeschmissen, manchmal durstig einige Milliliter getrunken, manchmal das Lätzchen unter Wasser gesetzt. Als gutes Vorbild trinke ich, wenn gerade etwas auf dem Tisch steht, immer mit. Mein Glas oder gar die große, aufregende PET-Flasche werden grundsätzlich bevorzugt. Deshalb sind wir nach einem normalen Plastikbecher (noch zu viel Verschlucker in der Sitzschale, zu viel Sauerei) nun bei diesen abgeschrägten Bechern** gelandet, die sie selbst halten können.
Trinken ist ein Gewöhn- und Lernprozess. Deshalb wollte ich es zwanglos starten und zur Routine werden lassen, noch bevor getrunken werden muss, weil der Körper die Flüssigkeit dringend benötigt. Wisst ihr, was ich meine?
Was kommt in den Becher? Auch eine viel diskutierte Frage. Bei uns gibt es aktuell noch abgekochtes Leitungswasser. Babywasser, stilles Mineralwasser und nicht abgekochtes Leitungswasser sind meiner Meinung nach auch vertretbare Alternativen. Wir reden ja hier über ein paar Milliliter, die im Magen landen. Tee oder Saft würde ich allenfalls als Ausnahme bei Erkrankungen anbieten. „Ich mag nur süß“, soll sich gar nicht erst angewöhnt werden. Hier ist sicher die Vorbildfunktion sehr wichtig.

Literatur

Schon im letzten Beikost-Post habe ich „Vegetarisch für Babys“** erwähnt und kann es nach wie vor empfehlen, wenn man sich Ideen zu einer vielfältigem Beikostangebot einholen möchte. Die Grundrezepte sind und bleiben Grundlage meiner Kochkünste und es bestärkte mich, den experimentierfreudigeren Weg einzuschlagen. Mittlerweile ist auch noch "Die neue Babyernährung"** ins Kochbücherregal eingezogen. Ich war auf der Suche nach weiteren Grundrezepten mit Fleisch und fand den Titel vielversprechend. Die Rezeptvorschläge sind teilweise klassisch, teilweise wirklich außergewöhnlich. Man findet zum Beispiel einen Petersilienwurzel-rote Beete-Wirsing-Gemüsebrei und diverse Rezepte mit frischen Kräutern. Auch die Fingerfood-Sektion finde ich gut. Trotzdem sind mir die Ansätze der Autorin noch zu klassisch. Und sie suggeriert, dass mit der Einführung des Abendbreis der Nachtschlaf verbessert wird. Essverhalten und Durchschlafen sind meiner Meinung nach nicht unbedingt zwingend kausal verknüpft. ;-) Was ich aber beim allgemeinen Geplänkel wiederum richtig gut finde, ist, dass Stillen vs. Flasche nicht bewertet wird. Das ist nämlich in der Breilektüre nämlich häufig nicht der Fall.

Habt ihr noch weitere Anregungen? Zutaten? Zwillingsfütter-Tricks? Brei-Themen-Wünsche? Immer her damit...



Ps.: Möchtest du mehr zu unseren Beikost-Erfahrungen lesen?
hier geht es zur Fortsetzung des Posts, zu den Mittagsbrei FAQ
Hier geht es zum Artikel "Beikost: der Start (bei Frühchen)", 
Hier geht es zum Post Beikost: der Obst-Getreide-Brei
Hier geht es zum Post Beikost: Rezepte und Literatur


PPs.: Mit **gekennzeichnete Links sind Affiliate Links. Der Link ist lediglich ein Vorschlag von mir, wie man einfach an die empfohlenen Dinge kommt bzw. kann ich sie so ohne großen Umstand zeigen. Ob und wo ihr etwas davon kauft, ist selbstverständlich euch überlassen. Es kostet euch jedoch nicht mehr und ich darf mich über eine kleine Provision freuen.

Kommentare:

  1. Herrlich! Geht mir ganz genauso mit dem Füttern von meinen Zwillingen (Geburt Juli 2016). Es kostet sehr viele Nerven und ist eine ziemliche Sauerei. Aber nacheinander geht auch nicht, da geht es uns wie Euch.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, das beruhigt :) Aber es ist besser geworden, oder? Bei uns zumindest haben sie sich eigentlich daran gewöhnt, wenn sie nicht gerade total müde sind... Liebe Grüße und sorry für die späte Antwort, da wurden ein paar Kommentare verschluckt...

      Löschen