Montag, 7. November 2016

Ein Stilldrama: Prolog.

Wie ich schon häufig angedeutet habe, ist unsere Stillgeschichte weder leicht noch kurz. Vielleicht habe ich es mit dem Blognamen provoziert?! Nun kann ich tatsächlich Romane füllen. Quasi ein ganzes Drama kann ich schreiben.
Ich hoffe, dass ich mit dieser Blog-Serie viele werdende Mamas erreiche, die motiviert sind unter erschwerten Startbedingungen zu stillen und von meinen Erfahrungen profitieren können. Und die Mamas, die unter allem gelitten haben und merken, dass sie nicht alleine sind. Und die Mamas, bei denen es einfach grandios funktioniert hat und die sich jetzt bitte vor Augen führen, welch Glück sie hatten. Und die Papas sowieso.


Für manche ist Stillen vielleicht total einfach, natürlich und nebensächlich. Für mich war/ist es eher eine Art Extremerfahrung.
Ich habe eine bunte Palette an Hürden nehmen müssen. Oft war ich eine Nanosekunde vom Aufgeben entfernt. Aktuell, die Früchtchen sind vier Monate alt, ist die Geschichte tatsächlich auch noch nicht zu Ende.
Denn irgendwie habe ich immer weitergekämpft. Meine Intention der Veröffentlichung dieses Dramas ist es nicht, mich selbst zu loben oder gelobt zu werden. Und ich übertreibe auch nicht. Es war ein harter Kampf. Außerdem will ich niemandem, der vielleicht in einer ähnlichen Situation früher aufgegeben hat, schlechtmachen. Ich kann das wirklich vollkommen nachvollziehen! 
Mir war/ist das Stillen sehr wichtig. Aus irgendwelchen Tiefen kamen somit immer wieder erneut Energie und Durchhaltevermögen.
Und damit komme ich direkt zur ersten wichtigen Sache, die ich unbedingt weitergeben möchte: wer Frühchen und/ oder Zwillinge stillen will, sollte sich immer klarmachen, wo seine Kräfte zu Ende sind. Woher die Motivation kommt. Beim Missverhältnis Motivation und Kraft muss man einen Schlussstrich ziehen können. Dieser Strich ist - ganz wichtig - von Frau zu Frau und Familie zu Familie unterschiedlich. Vergleichen nützt nichts. Parallelenziehen kann aber neue Kraft geben. Das ist sehr wichtig zu wissen. Nur weil ich aus gewissen Tiefs wieder hochgekommen bin, kann es sein, dass für DICH und DEINE Kinder Flaschennahrung und das Abstillen nun plötzlich mehr Sinn machen. Jeder hat unterschiedliche Toleranzgrenzen und Prioritäten.
Meine Motivation beruht auf zwei „Grundpfeilern“. Wer mich ein bisschen kennt, weiß, dass ich gerade in Sachen Ernährung ziemlich perfektionistisch eingestellt bin. Deshalb möchte ich auch für meine Kinder das Beste. Muttermilch. Punkt. Hier ploppt nun aber definitiv nicht wie im Online-Shop der Milchnahrungslieferanten das entsprechende (total nervige und deprimierende) Hinweis-Fenster auf. Die Entscheidung für oder gegen Stillen kann jeder selbst treffen. Manchmal wird sie für einen getroffen. Von den Kindern oder dem Universum.
Diese Motivation begründet sich auch mit dem Erbgut der Früchtchen. Sie sind Atopie-gefährdet. Muttermilch schützt nachweislich vor der Entstehung von Allergien und Neurodermitis. Außerdem hat der Sohn, der noch ein bisschen Aufholwachstum betreiben muss, ein statistisch erhöhtes Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Fettleibigkeit und Essstörungen. Auf diese ganze Palette soll sich Stillen auch vorbeugend auswirken. Ich will beiden das Beste was in meiner Macht steht mitgeben, solange ich es kann. Natürlich können die Erkrankungen trotzdem auftreten oder eben ausbleiben, obwohl sie mit Säuglings-Fertignahrung groß geworden sind. Aber die Statistik und Studienlage treibt mich an.
Meine weitere Motivation ist persönlich und war mir erst nach einigen Wochen klar. Ich will mich wenigstens ein einziges Mal als funktionstüchtige Frau fühlen. Das Kindermachen war schwierig, die Schwangerschaft war schneller vorbei als geplant und das Kinderkriegen hat ein OP-Team für mich übernommen, ohne das ich vorher je eine Wehe gespürt hätte. Ich brauche das nun also auch für mich.
Deshalb war ich gewillt, einiges dafür in Kauf zu nehmen: weniger Zeit und vor allem Kraft für schöne Unternehmungen als Familie, Besuch und das Leben außerhalb der eigenen vier Wände. Ein Zombiekörper. Gegenseitige Abhängigkeit. Phasen mit unentspannten Kindern. Rückschläge. Komplikationen.
Der Moment, als ich beide zum ersten Mal alleine gleichzeitig angelegt habe und sie sich dabei plötzlich seelig bei den Händen nahmen entschädigte für alles, was in den Wochen zuvor war. Jeder Moment in dem sie lächelnd, zufrieden an meiner Seite auf dem Stillkissen einschlummern ist es wert, dass ich seit einem ganzen Jahr keinen Sport mehr treiben konnte. Und seit neustem reicht mir ihre wilde Vorfreude, wenn sie begreifen was in Kürze passieren wird, um noch ein bisschen Kraftreserve für den nächsten Wachstumsschub aufzubringen.
Das sei als Hintergrund zum Verständnis für unsere Geschichte hier mal festgehalten.

Nun soll es also losgehen...

Hier geht es zu Akt 1: Der Start auf der Neonatologie.
Hier geht es zu Akt 2: Die Milchpumpe und ich.
Hier geht es zu Akt 3: Frühchen stillen. Zwillinge stillen.
Hier geht es zu Akt 4: Komplikationen.
Hier geht es zu Akt 5: Equipment (+Verlosung!)

Hier geht es zu meinen gebündelten Survival-Tipps auf dem Medela-Blog.


1 Kommentar:

  1. Hab mich durchgearbeitet ;-) Respekt für die Menge an Text, und ganz großen Respekt für dein Durchbeißen! Bei uns war das wesentlich einfacher - zum Teil, weil ich nur ein reif und "normal" geborenes Baby versorgen musste und zum Teil wohl, weil wir einfach Glück hatten und die meisten Schwierigkeiten an uns vorbeigingen.
    Das Ausgelaugtsein kenne ich aber auch, und außer gut essen, möglichst viel schlafen und ab und zu kleinen Auszeiten hilft in eurer Phase nicht viel. Ein, zwei Monate noch, dann interessieren sie sich vielleicht schon für feste Nahrung. Ab dem Moment war ich wesentlich entspannter.
    Inzwischen endet unser Stillen nur noch selten mit einem friedlich lächelnden oder schlummernden Baby - meistens lacht und patscht er mir ins Gesicht, dreht sich rum und krabbelt über mich drüber in Richtung Spielzeug. So ändern sich die Zeiten ;-)

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